Windmenschen
20.03.2025
Sigrid Stagl, Wissenschaftlerin des Jahres 2024, tritt nicht erst seit den letzten Wochen immer wieder als Stimme der wissenschaftlichen Vernunft im öffentlichen Diskurs rund um Nachhaltigkeit und Klimaschutz auf. Die Ökonomin am Department für Sozioökonomie der Wirtschaftsuniversität Wien erzählt im Interview mit windenergie über ihre Windkraft-Erlebnisse und empfiehlt Österreichs politischen Entscheidungsträger:innen Klima- und Umweltschutz künftig als Notwendigkeit außer Diskussion zu stellen.
Sie gelten als weltweit erste Person, die in Ökologischer Ökonomie promovierte. Wann und warum haben Sie sich entschieden in die Klimaforschung einzusteigen?
Sigrid Stagl: Es interessierte mich immer schon wie sich Wirtschaften und Gesellschaften entwickeln. Mir war dabei stets auch die soziale Dimension sehr wichtig,ndaher freute ich mich als Universitätsassistentin am Institut Volkswirtschaft an der WU bei Professor Walther im Bereich Arbeitsmarktökonomie als Doktorandin starten zu dürfen. Das war Mitte der 90er Jahre. Zu der Zeit wurde immer klarer, dass die Analyse wirtschaftlicher Entwicklung ohne Berücksichtigung der Umwelt zu kurz greift. An einem Nachbarinstitut war ein Gastprofessor aus den USA, Prof. John Gowdy, ein Pionier der Ökologischen Ökonomie, zu Besuch. Wir kamen ins Gespräch und er lud mich ein, am brandneuen Doktoratsprogramm an seiner Universität teilzunehmen. Ich hatte Glück!
Ihre wissenschaftliche Karriere hat Sie also bis in die USA und nach Großbritannien geführt – wie sehen Sie international den aktuellen Stellenwert der Ökologie in der ökonomischen Betrachtung?
Seit mehr als 50 Jahren haben Naturwissenschaftler:innen daran gearbeitet Klima und Umwelt als Teil der menschlichen Entwicklung immer besser zu verstehen. Im Oktober 2019 verfassten Andrew Oswald and Nicholas Stern einen Beitrag zum Newsletter der Royal Economic Society und stellten die Frage: Warum ist die Ökonomie des Klimawandels so wichtig – und warum ist das Engagement der Ökonomen so gering? Zu viele Ökonom:innen sehen Umwelt und Klimathemen noch immer als Spezialgebiet und nicht als einen notwendigen Bestandteil aller ökonomischen Modelle und Analysen. Das zu ändern ist das Grundanliegen der Ökologischen Ökonomie.
Zurück in Österreich haben Sie auch mit der heimischen Windkraftszene Bekanntschaft gemacht und Projekte in Niederösterreich begleitet. Wie waren Ihre Wind-Erlebnisse?
2023 und 2024 führte ich eine sozialwissenschaftliche Begleitstudie der Bürger:innenenergiegemeinschaft Haunoldstein im Bezirk St. Pölten durch. Es war beeindruckend zu erfahren, was in der Gemeinde gelang: Die Bürger:innenenergiegemeinschaft, in welche Wind, PV und Wasserkraftanlagen einspeisen, schaffte es von September 2023 bis April 2024 – also in der kritischen EnergiePeriode des Jahres – 92 % des Strombedarfs selbst herzustellen. Die Bürger:innen in Haunoldstein haben seit Jahren Erfahrung mit Windkraft und ihre Unterstützung für Erneuerbare ist sehr hoch.
Heute garantiert die Windkraft bereits einen wichtigen Teil der österreichischen Stromerzeugung. Welche Rolle spielt ein nachhaltiger Energiemix in den Zukunftsszenarien einer Klimaökonomin?
Was Haunoldstein im Kleinen zeigt, gilt auch im Großen für Österreich. Der Mix von Wind, PV und Wasserkraft ergänzt sich sehr gut. Windenergieanlagen sind ein essenzieller Bestandteil des nach haltigen Energiemixes in Österreich und sie müssen weiter ausgebaut werden – das macht wirtschaftlich und ökologisch Sinn.
Mit Klimaschutz und Wirtschaft verbinden sie generell zwei Bereiche, die für viele Menschen noch immer schwer zu vereinbaren sind. Können Sie darlegen, warum Klimaschutz aus ökonomischer Sicht eine unumgängliche Investition in die Zukunft ist?
Unser Handeln in Haushalten und in Unternehmen ist stark von Regeln und Infrastrukturen beeinflusst. Je nachdem welche Strukturen es in der Wirtschaft gibt, wird klimaschädliches oder klimafreundliches Handeln erleichtert und rechnet sich. Wenn wir ambitionierte Umwelt und Klimaschutzgesetze verabschieden und in soziale und physische Infrastrukturen investieren, die klima und umweltfreundliches Handeln unterstützen, haben wir nach einer Umstellungsphase eine gut funktionierende Wirtschaft. Wenn wir diese politische Anstrengung und die dafür notwendigen Investitionen nicht vornehmen, produzieren wir einen überhitzten Planeten und instabile Ökosysteme. Daran müssen wir uns anpassen, was teuer ist, und wir müssen auf Leistungen aus der Natur verzichten, welche wir derzeit gratis bekommen. Das wäre nicht sehr klug. Strafzahlungen für das Nichteinhalten von Klimavereinbarungen kommen noch dazu, aber die sind im Ausmaß noch die geringere Sorge im Vergleich zu den drohenden biophysischen Veränderungen und Folgekosten für die Wirtschaft.
Die aktuelle Politik betont vermehrt, Klimaschutz würde das Staatsbudget belasten. Mehrere klimapolitische Maßnahmen und Instrumentestehen in Diskussion bzw. vor dem Aus. Wie werten Sie diese Entwicklung?
Einerseits geht es freilich um eine Priorisierung verschiedener Bereiche. Wenn Geld für Familienbonus (wirkt sozial regressiv, Evaluierung der Wirkung ausstehend) und Straßenausbau (Bodenverbrauch, Anreiz für mehr motorisierten Individualverkehr) vorhanden ist, aber Klimaschutzmaßnahmen zurückgefahren werden, wundere ich mich. Zudem gäbe es Klimaschutzmaßnahmen, die günstiger wären als die in Österreich so beliebten Subventionen. Man kann mittels klarer Leitplanken ökonomischen Akteur:innen rechtzeitig den Weg zur Klimaneutralität aufzeigen und dann muss sich auch jede:r daran halten. Viele der vorgeschlagenen Gesetzesänderungen sind für das öffentliche Budget nicht teuer. Wenn rechtzeitig angekündigt und planbar, können sich ökonomische Akteur:innen daran orientieren und treffen dann einfach andere Entscheidungen.
Was wäre also Ihr wichtigster Rat für künftige politische und wirtschaftliche Einscheidungsträger:innen in puncto Ökologie und Klimaschutz?
Klima und Umweltschutz als Notwen digkeit außer Diskussion stellen und in einen Wettbewerb zu treten über die klügsten Wege, Klimaneutralität und regeneratives Wirtschaften zu schaffen.
„Wenn wir ambitionierte Klimaschutzgesetze verabschieden und in Infrastrukturen investieren, die umweltfreundliches Handeln unterstützen, haben wir nach einer Umstellungsphase eine gut funktionierende Wirtschaft. “ Sigrid Stagl, Wissenschaftlerin des Jahres 2024
Sigrid Stagl – Wissenschaftlerin des Jahres 2024, tritt immer wieder als Stimme der wissenschaftlichen Vernunft im öffentlichen Diskurs rund um Nachhaltigkeit und Klimaschutz auf.
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