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Windmenschen

Joachim Payr mit seinen beiden Töchtern Alina und Esther Mirwald

16.03.2026

Porträt Joachim Payr mit seinen beiden Töchtern Alina und Esther Mirwald

Mit diesem Jahr wird sich eine der Gründerfiguren der heimischen Wind-Szene aus dem operativen Geschäft zurückziehen: Joachim Payr übergibt im Juli seine EWSAgenden an seine beiden Töchter Alina und Esther Mirwald. Der Stabswechsel innerhalb der oberösterreichischen Wind-Familie steht dabei auch sinnbildlich für die Übernahme einer neuen Windgeneration.

Lieber Joachim, Mitte 2026 übergibst du an deine beiden Töchter Alina und Esther. Welche Gefühle kommen da in dir hoch?

Joachim: Zufriedenheit, Freude und auch Neugierde auf das, was die Zukunft bringt. Mein Gefühl sagt mir, es ist die passende Zeit für diese Veränderung und gut Platz für Neues zu schaffen.

Wie fällt dein Rückblick auf deine Wind-Jahrzehnte aus?

Die Windenergie Gemeinschaft hat die Energie-, Sicherheits- und Klimaschutzpolitik aktiv mitgestaltet und mit vielen neuen Arbeitsplätzen und in einem rasenden Tempo Jahr für Jahr Projekte umgesetzt. Ohne den Druck aller Akteur:innen, insbesondere auch dem Team der IG Windkraft, wäre da wohl wenig passiert. Jedes Jahr dieser mehr als 30 Jahre, war für sich mit den ständigen Veränderungen und Ausbaurekorden besonders.

Wie konntest du dein persönliches „Wind-Feuer“ so an deine Töchter weitergegeben?

Die beiden waren immer interessiert an Spannendem und Herausforderndem. Da musste ich nicht viel machen. Der Weg, den sie eingeschlagen hatten, wurde nicht von mir geplant. Sie wissen selber, was sie wollen. Natürlich hat es für beide nie eine Zeit ohne Wind- und Sonnenenergie oder Naturerlebnisse gegeben; seit mehr als zehn Jahren leben wir ja auch direkt neben dem kommunalen Windpark Munderfing im Kobernaußerwald.

“Mein Gefühl sagt mir,

es ist die passende Zeit für

Veränderung und für Neues.”

Joachim Payr, Mitgründer EWS Consulting

Wie war es für euch, Alina und Esther, die „Entwicklung der Windkraft“ in Österreich quasi von Kindesbeinen an hautnah mitzuerleben?

Alina: Ich weiß noch, dass wir als Kinder diese großen Anlagen zu Beginn noch als etwas unheimlich empfanden. Aber wie es eben so läuft, wird aus Unbekanntem Vertrautes. Der Funke ist dann sehr bald übergesprungen und schon standen wir hinter AWES-Messeständen, unterstützten den „Wilden Wind“ und waren bei der Windmesse in Husum dabei.

Esther: Wir konnten damit auch die Veränderung in der Windbranche miterleben. Früher war der Kreis an Expert:innen, die man immer wieder getroffen hat, eher klein und alle kannten sich. Mit den Jahren ist aus einer „Randbewegung“ eine starke Branche geworden, die viele Arbeitsplätze bietet. Es freut uns besonders, auch immer mehr Frauen in den vordersten Reihen zu sehen.

Wie habt ihr euch auf eure neue Aufgabe in der EWS vorbereitet?

Alina: Obwohl wir es nicht von vorneherein geplant hatten, in der EWS einzusteigen, haben wir uns beide für Ausbildungen entschieden, die wir nun gut anwenden können. Esther hat nach ihrem Studium in „Strategie und Innovation“ sowie „Erneuerbare Energiesysteme“ bereits Konzernerfahrungen gesammelt. Ich habe mich im Studium „Landschaftsplanung und -architektur“ und meiner Arbeit danach viel mit UVPs und Raumordnung befasst. Damit können wir nun auch operativ nah am Geschehen dranbleiben.

Wer übernimmt künftig welche Agenden?

Esther: Schon beim Onboarding haben wir erkannt, dass wir uns gut ergänzen mit unterschiedlichen Stärken. Alina befasst sich mit Kommunikation und Kultur im Unternehmen, ich übernehme die Themen Strategie, Innovation und Digitalisierung auf Gruppenebene. Die Zusammenarbeit mit EWS Mitgründer und Miteigentümer Gerhard Steindl zeigt dabei, dass unsere Werte und Visionen gut übereinstimmen. Sein Erfahrungsschatz gemeinsam mit unserem „neuen Wind“ sind eine hervorragende Basis für die EWS-Zukunft.

“Es freut uns besonders,

immer mehr Frauen

in den vordersten Wind-Reihen zu sehen.”

Esther Mirwald, Geschäftsführende Gesellschafterin EWS Holding GmbH

Alina: Die Zeit bis zum Sommer werden wir nun intensiv zur Übergabe nutzen. Ab Juli übernehmen wir dann das Staffelholz vom Papa – er wird uns aber auf Anfrage immer noch beratend unterstützen. Wir treten in große Fußstapfen und haben gehörig Respekt vor der neuen Aufgabe. Gleichzeitig sind wir sehr dankbar für die außergewöhnliche Möglichkeit als Nachfolgerinnen die Energiewende aktiv mitzugestalten. Diese treten wir mit viel Motivation, Schwung und Zukunftsoptimismus an.

“Wir treten in große Fußstapfen

und haben gehörig Respekt

vor der neuen Aufgabe.”

Alina Mirwald, Geschäftsführende Gesellschafterin EWS Holding GmbH

Joachim, was hast du also ab Juli vor? Gibt es schon Pläne für deine Wind-Pension?

Joachim: Meine Frau und ich werden sicherlich noch mehr Zeit beim Wandern und Schifahren in den Bergen und auf dem Fahrrad in der Natur verbringen. Bezüglich der Gestaltung einer sicheren, günstigen, sauberen und friedvollen Energieversorgung aus Wind und Sonne werde ich aber aus voller Überzeugung weiterhin privat aktiv bleiben.

Wie kennen die beiden Nachfolgerinnen ihren Papa in punkto „Loslassen“?

Esther: Er wird sicher immer Aktivist bleiben und das gefällt uns auch. Aber ihm fällt es in der Regel leicht Altes loszulassen und Neues zu beginnen – so wird ihm sicher nicht langweilig. Wir freuen uns darauf, dass er sich auch in Zukunft energiepolitisch äußern wird und sind sehr gespannt auf seine nächsten, revolutionären Ideen.