Pressemeldung
02.06.2026
Während Oberösterreich beim Windkraftausbau hinter den eigenen Zielen zurückbleibt, spricht sich die Bevölkerung klar für mehr erneuerbare Energie aus. Das zeigt eine aktuelle, repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Marketagent im Auftrag der IG Windkraft. Die Ergebnisse zeichnen ein eindeutiges Bild: Die Menschen erkennen die Abhängigkeit von Energieimporten, wünschen sich politische Maßnahmen für mehr Unabhängigkeit und sehen Windkraft als wichtigen Teil der Lösung.
Die Unterstützung für die Energiewende in Oberösterreich ist groß: Knapp 90 Prozent der Befragten sprechen sich für den Ausbau erneuerbarer Energien aus. Gleichzeitig nehmen fast ebenso viele die oberösterreichische Industrie als stark von Energieimporten abhängig wahr. Mehr als vier von fünf Befragten wünschen sich daher, dass die Politik Maßnahmen setzt, um die Energieunabhängigkeit des Landes voranzutreiben.
Besonders deutlich wird die Rolle der Windkraft bei der Frage nach der zukünftigen Stromversorgung. 63,1 Prozent der Befragten wünschen sich den Ausbau von Windkraftwerken. Damit liegt Windkraft hinter Photovoltaik auf Hausdächern und Parkplätzen auf Platz zwei der bevorzugten Energieformen.
Für die Bevölkerung steht dabei vor allem die Versorgungssicherheit im Vordergrund: 79,1 Prozent stimmen zu, dass der Ausbau der Windkraft wichtig ist, um unabhängiger von Energieimporten zu werden.
Besonders spannend ist ein Ergebnis zur öffentlichen Wahrnehmung: Die Befragten stehen der Windenergie selbst deutlich positiver gegenüber, als sie die Einstellung ihrer Mitmenschen einschätzen. Während die eigene Haltung zur Windenergie mit einem Durchschnittswert von 7,4 auf einer Zehnerskala klar positiv ausfällt, werden sowohl die Bevölkerung als auch die Landespolitik deutlich skeptischer eingeschätzt.
„Die Umfrage zeigt eine bemerkenswert hohe Zustimmung zum Windkraftausbau – quer durch die Bevölkerung. Gleichzeitig unterschätzen viele, wie positiv ihre Mitmenschen dem Thema gegenüberstehen. Diese Lücke zwischen gefühlter und tatsächlicher Stimmung ist ein spannendes Phänomen, das die öffentliche Debatte durchaus beeinflussen kann“, sagt Thomas Schwabl, CEO von Marketagent.
Ein häufig vorgebrachtes Argument gegen den Windkraftausbau lautet, dass Menschen Windräder zwar grundsätzlich befürworten, aber nicht in ihrer Nähe haben wollen. Die Umfrage zeichnet jedoch ein anderes Bild: 85,4 Prozent jener Personen, die Windkraft in Oberösterreich befürworten, sprechen sich auch für Windräder in ihrer eigenen Region aus.
Damit lässt sich der oft zitierte „Not in my backyard“-Effekt für Oberösterreich klar widerlegen.
Bemerkenswert ist auch der Blick auf die Sorgen der Bevölkerung. Nur rund ein Viertel der Befragten gibt an, dass ihnen der Ausbau der Windenergie Sorgen bereitet.
Fragt man genauer nach den Gründen, wird ein überraschendes Ergebnis sichtbar: Die am häufigsten genannte Sorge ist nicht der Bau von Windrädern selbst, sondern die politische Blockade des Ausbaus. Noch vor Landschaftsbild oder Natur- und Artenschutz nennen 17,2 Prozent der Befragten politische Verzögerungen und Blockaden als Problem.
„Die Bevölkerung in Oberösterreich will Windkraft. Was fehlt, ist der politische Wille. Jedes Jahr, das durch künstliche Blockaden verloren geht, ist ein Jahr, in dem Oberösterreich unnötig von teuren Energieimporten abhängig bleibt. Das Potenzial ist da, die Menschen sind bereit – jetzt müssen es auch die Entscheidungsträger sein“, sagt Florian Maringer, Geschäftsführer der IG Windkraft.
Dabei wäre das Potenzial vorhanden: Oberösterreich verfügt über ein Windkraftpotenzial von rund 8 TWh jährlich – genug, um etwa die Hälfte des gesamten Stromverbrauchs des Bundeslandes zu decken. Allein in den derzeit ausgewiesenen Ausschlusszonen liegt ein Potenzial von rund 1,8 TWh und damit jene Energiemenge, die für das Ausbauziel bis 2040 benötigt wird.
„Oberösterreich sitzt auf einem erneuerbaren Energieschatz, den es sich aus politischen Gründen selbst verwehrt. Ausschlusszonen, die nicht auf fundierten Kriterien basieren, sind kein Naturschutz – sie sind Ressourcenverschwendung. Angesichts der Erfahrungen der Gaskrise und der anhaltenden Importabhängigkeit der heimischen Industrie wäre es fahrlässig, dieses Potenzial weiter liegen zu lassen“, so Maringer.
Die Umfrage zeichnet ein klares Bild: Die Bevölkerung in Oberösterreich steht hinter erneuerbaren Energien und unterstützt den Ausbau der Windkraft. Sie sieht darin einen wichtigen Beitrag zu mehr Energieunabhängigkeit, Versorgungssicherheit und regionaler Wertschöpfung. Während die Zustimmung in der Bevölkerung hoch ist, bleibt der Ausbau hinter den Möglichkeiten und den eigenen politischen Zielsetzungen zurück.
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