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Windmenschen

Johann Janker

02.06.2025

Windmensch Johann Janker

Porträt Johann Janker

Windkraft-Pionier und ECOwind-Geschäftsführer Johann Janker erzählt im Gespräch mit windenergie über die Anfänge seiner Wind-Zeit, die unterschiedlichen Unternehmen, die er heute führt, und wie er die künftigen Herausforderungen der Energiewende angehen würde.

Herr Janker, auf Ihrem Betrieb vereinen sich Hühnerzucht, Eierkartonhandel, Landtechnik und Windkraft – wie hat das alles zusammengefunden?

Johann Janker: Die Betriebsphilosophie unseres Bauernhofs war immer auf größtmögliche Wertschöpfung ausgerichtet. Schon mein Vater hat die Hühneraufzucht sukzessive optimiert und im Laufe der Zeit haben wir immer mehr Be- und Verarbeitungsschritte dieser Nische bei uns am Standort organisiert. Derselbe Gedanke galt später für unsere Energieerzeugung. Bei unseren Geflügeleinkäufen in den Nieder landen haben mich stets die Windräder der dortigen bäuerlichen Betriebe fasziniert. 1995 errichteten wir dann selbst eine der ersten 250 kW-Anlagen Österreichs neben unserem Hof. Mit einem Schlag war das Interesse der Landwirte im Umkreis geschaffen und viele baten mich, ihnen beim Bau eines Windrads zu helfen – so entstand die ECOwind. Es ist also alles nach und nach gewachsen: Heute firmieren vier Unternehmen auf unserem Hof-Gelände und das nahezu energieautark – durch Wind, PV und eine innovative Biomasse Feuerung, deren Brennmaterial wir selbst erzeugen.

In der Windkraft-Branche gelten Sie als Projekt-Realisierer an besonders diffizilen Bergstandorten, die sich manche nicht „antun“ wollen. Was unterscheidet ihre Herangehensweise von anderen?

Die Aufgabe die Windkraft in die Berge zu bringen, ist uns in Fleisch und Blut über gegangen. Wir haben als eines der ersten Unternehmen begonnen Bergstandorte zu realisieren und sind in den letzten 30 Jahren immer mutiger geworden. Mit unseren Partner:innen haben wir oftmals zuvor undenkbare Lösungen erarbeitet. Aktuell sind wir an Projekten jenseits der 2.000 Meter Seehöhe dran – das reizt uns enorm. In den Bergen gibt es dabei keine Blaupause – jedes Windkraftprojekt ist unterschiedlich. Dafür wissen wir heute mit jeder Herausforderung umzugehen und haben alle Eventualitäten, die für Extremstandorte nötig sind, in unsere Arbeitsabläufe integriert: Zum Beispiel findet man in unserem Firmenfuhrpark nicht nur Pistenbullys und Snowmobile, sondern auch Tourenskier, weil manche Standorte im Winter eben nur damit erreichbar sind. Andere schrecken vor diesen Problemstellungen zurück, für uns ist das Daily Business.

Wie erwähnt feiert ECOwind heuer sein 30-jähriges Jubiläum – was fällt Ihnen im Rückblick als erstes ein?

Dass früher vieles einfacher war. Unser erster Windrad-Kaufvertrag hatte gerade einmal fünf Seiten – heute braucht man fünf Ordner. Einen Genehmigungsprozess gab es nicht. In der Bauverhandlung wurde damals vom Straßenmeister nur beanstandet, man solle die Unfallhäufigkeit neben dem Windrad monitoren, da er Ablenkungen der Autofahrer befürchtete. Ich habe geantwortet, dass die riesigen Werbeplakate von Palmers an der Autobahn bei Wien sicher für mehr Ablenkung sorgen würden – daraufhin wurde sein Vermerk wieder gestrichen. Damals war eben alles noch neu und die Wind-Neugierde war groß – eine Pionierphase. Heute hat sich das leider etwas gedreht.

Wie nehmen Sie aktuell die öffentliche Betrachtungsweise der Windkraft wahr?

Vor Ort erleben wir bei unseren Projekten durchwegs eine sehr positive Windkraft-Einstellung. Kritischer wird die Konfrontation mit diversen NGOs, die sich ein Geschäftsmodell aus der Opposition zu unserer leistungsfähigen Technologie gebastelt haben. Das Wichtigste aber ist eine beständige und ehrliche Kommunikation. Wir binden Anrainer:innen und Grundstückseigentümer:innen von Beginn an in jedes Projekt ein und informieren zu jedem Umsetzungsschritt. Keiner darf übergangen, keiner überrascht werden. Abwehrhaltungen existieren auch immer nur vor einer Errichtung. Steht das Windrad einmal, wird es zum Gewohnheitsfaktor im Ortsleben – so wie bei uns in Kilb, wo Bäuer:innen sich beim Mähen ihrer Felder nach dem Stand unseres Windrads richten, oder die Jägerschaft vor der Pirsch einen Blick darauf wirft, um zu wissen, woher der Wind weht.

Das Kilber Windrad ist heute sogar eine Attraktion für Kinder-und Jugendgruppen …

So ist es. Wir veranstalten Führungen für Schulklassen in der Region mit Windradbesteigung und Eierspeisbraten inklusive – direkt von den Hühnern, die unter unserer Freiflächen-PV Anlage leben. Diese Vermittlung der Symbiose von Erneuerbaren und Natur ist mir enorm wichtig. Die nächsten und übernächsten Generationen sollten noch viel mehr in den Fokus unseres Handelns rücken. Ich erlebe die Kids jedenfalls enorm wissbegierig, offen für Neues und begeisterungsfähig für unsere Energielösungen. Die Gegnerschaft ist ja eher höheren Alters.

Was ergibt sich daraus für die globale Energiewende?

Dass wir weiter dranbleiben müssen. Die Energiewende haben wir selbst in der Hand. Sie ist nicht Sache der Politik oder anderer übergeordneter Entscheidungsorgane. Je mehr Menschen damit beginnen, ihre Energie selbst zu produzieren und sich zu organisieren, beispielsweise in den aufkommenden regionalen Energiegemeinschaften, desto weniger ist eine Energiewende aufzuhalten. Jeder, der auf diesen Zug aufspringt, verstärkt die globale Dimension dieses Wandels – das muss einem einmal bewusstwerden, welche Tragweite unser individuelles Handeln haben kann. Ob Gas aus Russland oder Fracking-Gas aus den USA wird dann letztlich egal sein – wir erzeugen unsere eigene Energie.

Was würden Sie als politischer Entscheidungsträger tun, um diesen Trend zu beschleunigen?

Unser Erneuerbaren-Ausbau sollte nicht nur von verordneten, politischen Entscheidungen abhängen, sondern vom Willen und der Überzeugung der Menschen in der betreffenden Region angetrieben werden können. Diese Kraft aus der Bevölkerung heraus sollte man nicht nur viel mehr nutzen, sondern entfesseln. Wenn Gemeinde und Grundstückseigentümer:innen dafür sind und es aus technologischer Sicht Sinn macht, sollte ein Projekt immer möglich sein – auch wenn es nicht in einer ausgewiesenen „Zone“ liegt. Der Ausbau der Erneuerbaren würde an Ehrlichkeit zurückgewinnen und an Drive aufnehmen, wenn wir den Gedanken der unabhängigen Energieerzeugung und die Überzeugung der Bürger:innen wieder in den Vordergrund stellen, anstatt um Zonierungen oder Totalverbote zu diskutieren. Die Unterstützung und Überzeugung der Menschen steigt mit der individuellen Entscheidungsmöglichkeit, da bin ich mir sicher – und damit würde die Energiewende auch zum Selbstläufer …

„DIE AUFGABE, WINDKRAFT IN DIE BERGE ZU BRINGEN, IST UNS IN FLEISCH UND BLUT ÜBERGEGANGEN.“ Johann Janker, Geschäftsführer ECOwind