Pressemeldung
18.03.2026
Der Ausbau der Windkraft könnte in Tirol den Energie-Importbedarf im Winter deutlich reduzieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Kurzstudie von e3 consult und IG Windkraft.
Innsbruck, 18.03.26: Vier Jahre nach Kriegsbeginn in der Ukraine geraten die internationalen Energiemärkte, aufgrund der aktuellen Eskalationen im Iran, erneut unter Druck. Stark steigende Öl- und Gaspreise zeigen einmal mehr die Abhängigkeit Europas und Österreichs von Energieimporten. „Wir taumeln von einer Energiekrise in die nächste. Wir müssen endlich von fremden Öl- und Gasmächten unabhängig werden und dem Ausbau der heimischen Energieträger noch viel mehr Priorität geben“, sagt Florian Maringer, Geschäftsführer der IG Windkraft.
Gleichzeitig wächst der Strombedarf. In Tirol wird sich bis 2050 voraussichtlich der Stromverbrauch von derzeit rund 6,3 TWh pro Jahr auf etwa 14,5 TWh mehr als verdoppeln – was dem Jahresverbrauch von rund vier Millionen durchschnittlichen Haushalten entspricht. Treiber dieser Entwicklung sind vor allem die Elektrifizierung von Mobilität, Wärme und Industrie.
Schon heute kann Tirol seinen Strombedarf im Winter nicht vollständig selbst decken, wie Energieexperte Dr. Jürgen Neubarth von e3 consult ausführt. Er hat im Auftrag der IG Windkraft eine Kurzstudie zum Thema Winterstrombedarf in Tirol erstellt. „In einzelnen Wintermonaten des Jahres 2024 mussten bis zu 50 GWh Strom netto importiert werden. Im Verteilnetz entsprach der notwendige Bezug aus dem Übertragungsnetz in Spitzenmonaten des Jahres 2023 sogar bis zu 350 GWh beziehungsweise rund 57 Prozent der monatlichen Stromabgabe“, so Neubarth. Rechnerisch wären rund 46 Windräder notwendig, um diese heutige Lücke zu schließen.
„Die Energiewende entscheidet sich im Winter“, schlussfolgert Neubarth. „Wenn Tirol seine Versorgungssicherheit ernst nimmt, muss es dort ansetzen, wo die Lücke entsteht – und die entsteht in den kalten Monaten.“
Im Szenario der Tiroler Energiestrategie 2050, das von einer Windstromerzeugung aus etwa 40 Windrädern von rund 400 GWh pro Jahr ausgeht, ergibt sich zwischen Oktober und März eine Winterstromlücke von rund 2,1 TWh. Die Studie zeigt jedoch: Wird das technisch realisierbare Windpotenzial von rund 2,9 TWh pro Jahr genutzt, sinkt die Winterstromlücke auf etwa 740 GWh. Das entspricht einer Reduktion um rund zwei Drittel gegenüber dem offiziellen Szenario. Florian Maringer ordnet ein: „Mit dem derzeit vorgesehenen Windkraftanteil bleibt Tirol im Winter deutlich importabhängig. Wird das vorhandene Potenzial genutzt, kann der Importbedarf signifikant gesenkt und das Energiesystem im Winter stabilisiert werden.“
Der entscheidende Faktor ist das saisonale Erzeugungsprofil der erneuerbaren Energien. Während Photovoltaik vor allem im Sommer Strom liefert und die Wasserkraft stark von Niederschlägen abhängt, fällt ein Großteil der Windstromproduktion in das Winterhalbjahr.
„Wir sprechen nicht über eine abstrakte Option, sondern über eine konkrete Lösung für ein konkretes Problem“, betont Maringer. „Erneuerbare Energie bedeutet Versorgungssicherheit. Jede Kilowattstunde, die Tirol im Winter selbst erzeugt, macht das Land unabhängiger und stabiler gegenüber Energieimporten. Das einzig Sichere an Gas und an Importen aus dem Ausland ist die nächste Energiekrise.“
Die IG Windkraft ist die Interessenvertretung der österreichischen Windbranche. Heimische Windräder versorgen schon heute rund 2,6 Millionen Haushalte im Land mit sauberem, unabhängigem und günstigem Strom. Nach einer aktuellen, repräsentativen Umfrage befürworten 83 % der Österreicher: innen den Ausbau der Windenergie. Die IG Windkraft repräsentiert über 200 in den Regionen verankerte, meist mittelständische Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Energieform – von der Herstellung über die Planung und Errichtung bis hin zu Betrieb und Wartung. Die österreichische Windbranche beschäftigt etwa 8.000 Menschen und hat in den letzten zehn Jahren im Durchschnitt 1,2 Milliarden Euro pro Jahr erwirtschaftet. Durch Milliarden-Investitionen stärkt sie den heimischen Wirtschaftsstandort.
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