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Windmenschen

Gerhard Toifl

18.12.2025

Porträt Gerhard Toifl

Ernstbrunn im Weinviertel zählt zu den Pioniergemeinden der österreichischen Windkraft und sie zeigt bis heute, was „Kraft der Region“ wirklich bedeutet. Bürgermeister Gerhard Toifl spricht über drei Wind-Jahrzehnte, gelebte Partnerschaften, regionale Wertschöpfung und die Stärke einer Gemeinde, die mit dem Wind wächst.

Herr Bürgermeister, auf dem Gemeindegebiet von Ernstbrunn wurde vor fast 30 Jahren das erste Windrad errichtet. Wie erinnern Sie sich an diese Zeit?

Gerhard Toifl: Sehr gut. Ich war damals unglaublich gespannt, wie das funktionieren wird, und wir haben den Bau sehr genau beobachtet. Eines der ersten Windräder stand ganz in der Nähe des Hofs meiner Eltern, im Ortsteil Naglern, ein zweites im Nachbarort Simonsfeld. Es war schon eine große Sache. Natürlich kannte man Windräder aus den Medien, aber man brachte sie eher mit Dänemark oder Norddeutschland in Verbindung. Als die Windkraft dann auch zu uns ins Weinviertel kam, war das für alle etwas Besonderes – eine Art Aufbruchsstimmung.

Heute ist die Windkraft aus Ernstbrunn kaum mehr wegzudenken. Welche Bedeutung hat sie für die Gemeinde?

Die Windkraft ist für uns zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden. Durch den Betrieb und die Wartung der Anlagen entstehen Arbeitsplätze – nicht nur direkt, sondern auch im Handwerk, Baugewerbe und Dienstleistungsbereich. Das Unternehmen WKS spielt dabei eine zentrale Rolle. Es investiert in moderne Technologie, bildet regionale Fachkräfte aus und sorgt so dafür, dass ein erheblicher Teil der Wertschöpfung in der Region bleibt. Anders als bei zentralisierten Großprojekten fließen Gewinne und Steuern also nicht ab, sondern kommen direkt der Gemeinde zugute.

Wie profitieren Gemeinde und Region konkret von der Windkraft?

Zum Beispiel sorgt die WKS bei uns durch langfristige Pachtverträge, Steuerzahlungen und Kooperationen mit lokalen Betrieben für eine direkte Beteiligung der Region an der Energiewende. Viele Unternehmen aus der Umgebung arbeiten regelmäßig für die Windparks – von Elektrikern über Baufirmen bis zu IT-Dienstleistern. Das stärkt die lokale Wirtschaft und schafft stabile Arbeitsplätze. Gleichzeitig wird damit die Zukunftsfähigkeit der Region gesichert, weil wir unabhängiger und wirtschaftlich breiter aufgestellt sind.

Neben dem wirtschaftlichen Aspekt: Welche Rolle spielt die ökologische Dimension der Windkraft in Ernstbrunn?

Eine sehr große. Die Windenergie leistet einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele auf kommunaler Ebene. Sie macht Ernstbrunn zu einem Vorzeigestandort für nachhaltige Energie und zeigt, dass Klimaschutz und regionale Entwicklung kein Widerspruch sind. Diese Kombination – ökologisch und ökonomisch – macht unsere Gemeinde attraktiv für junge Familien und Betriebe, die Verantwortung übernehmen wollen. Das zeigt sich auch in der seit einigen Jahren stärker werdenden Zuwanderung in unserer Gemeinde. Dieses Phänomen ist eher untypisch für unsere Region – beweist aber, dass wir in Ernstbrunn sichere Lebenssituationen für viele bieten können. Es wurden dazu in den letzten Jahren mehrere Wohnungen und Einfamilienhäuser errichtet sowie diverse Infrastrukturmaßnahmen umgesetzt.

Sie sprechen oft auch über Ihre persönliche Verbindung zur Windkraft. Was bedeutet Ihnen dieses Thema?

Als Bürgermeister habe ich miterlebt, wie sich unsere Gemeinde Schritt für Schritt zu einem aktiven Teil der Energiewende entwickelt hat. Ich erinnere mich gut an die ersten Gespräche im Gemeinderat – da gab es natürlich viele Fragen, Sorgen, aber auch Hoffnungen. Beeindruckt hat mich, wie offen und transparent die WKS schon damals auf uns zugegangen ist. Da ging es nie nur um Projektpläne, sondern um echte Zusammenarbeit mit Handschlagqualität. Da wurde mir klar: Windkraft ist nicht nur Stromproduktion – sie ist auch Bewusstseinsarbeit und Gemeinschaft.

“Für mich steht die Windkraft für eine

Gemeinschaft, die Verantwortung

übernimmt – für Klima, Wirtschaft und die nächste Generation.”

Gerhard Toifl, Bürgermeister von Ernstbrunn

Gibt es weitere Beispiele, wie Windkraft das lokale Leben verändert hat?

Ja, viele. Ein örtlicher Handwerksbetrieb beispielsweise, der früher mit saisonalen Aufträgen kämpfte, konnte durch die Wartung der Anlagen neue Mitarbeiter einstellen und wirtschaftlich stabil werden. Solche Geschichten zeigen, dass Windkraft ganz konkret regionale Strukturen stärkt. Für mich steht sie für eine Gemeinschaft, die Verantwortung übernimmt – für Klima, Wirtschaft und die nächste Generation.

Was würden Sie anderen Gemeinden raten, die über Windkraftprojekte nachdenken?

Vor allem frühzeitig informieren, offen kommunizieren und die Bevölkerung einbinden. Transparenz und Dialog sind entscheidend. Außerdem sollte man auf Partner setzen, die in der Region verankert sind – wie bei uns die WKS. Wenn die Menschen sehen, dass sie direkt profitieren, entsteht Akzeptanz. Auch der Austausch mit Nachbargemeinden, Regionalverbänden und erfahrenen Projektpartnern ist Gold wert. Windkraftprojekte gelingen besser, wenn man voneinander lernt, statt das Rad jedes Mal neu zu erfinden. Und natürlich braucht es politischen Willen: Erneuerbare Energien sind kein Selbstläufer. Man muss Flächen schaffen, Hürden abbauen und manchmal auch Gegenwind aushalten. Aber es lohnt sich. Denn Windkraft ist mehr als Technik – sie ist ein Teil einer größeren Vision von Unabhängigkeit, Nachhaltigkeit und regionaler Stärke.

Ihr Fazit nach fast 30 Jahren Windenergie in Ernstbrunn?

Windkraft ist für unsere Gemeinde ein zentraler Pfeiler regionaler Entwicklung. Die Windräder gehören heute zu Ernstbrunn wie die Felder und Wälder rundherum – sie sind Teil unserer Identität und Symbol für den Fortschritt aus eigener Kraft. Daneben haben wir es geschafft auf einer alten Deponie im Gemeindegebiet nun eine PV-Anlage errichten zu können. Man kann die Energiewende bei uns in Ernstbrunn hautnah erleben. Sie bringt wirtschaftlichen Mehrwert, sichert Arbeitsplätze und stärkt die kommunale Unabhängigkeit.