Neuregelung der Ökostrom-Förderung

Position der IG Windkraft zum Erneuerbaren Ausbau Gesetz (EAG 2020)

Die Neuregelung der Ökostromförderung wurde in den letzten fünf Jahren heftig diskutiert. Die IG Windkraft
bekennt sich zu mehr Marktnähe und Systemverantwortung. Dies kann durch ein Marktprämienmodell
gewährleistet werden: hier vermarktet der Erzeuger seinen Ökostrom selbst und erhält zusätzlich eine
Marktprämie pro Kilowattstunde als Betriebsförderung. Die Förderhöhe sollte administrativ festgelegt
werden. Ausschreibungen zur Ermittlung der Förderhöhe der Windkraftförderung sind aufgrund der
österreichischen Marktverhältnisse ungeeignet, die angestrebten Ziele zu erreichen. Das neue Fördersystem
ist so zu gestalten, dass die tatsächliche Erreichung der ambitionierten Ziele im Vordergrund steht und die
dafür erforderlichen Mittel bereitgestellt werden. Bei Fehlentwicklungen muss rasch gegengesteuert
werden.

Eckpunkte einer neuen Ökostromförderung

© Astrid Knie
 © Astrid Knie

Folgende Eckpunkte sind für ein neues Gesetz entscheidend:  

  •  Das 2030-Ziel ist durch einen Zielerreichungspfad und klare Mengenziele für die einzelnen Technologien zu konkretisieren.  
  • Die Windkraft kann bis 2030 auf 7.500 Megawatt Leistung bzw. 22,5 TWh ausgebaut werden.  
  • Das Fördersystem sollte technologiespezifisch ausgestaltet sein, um den Unterschieden der Technologien Rechnung zu tragen und einen optmalen Energiemix zu erhalten, weil das 100%-Ziel sonst nicht erreicht werden kann.
  • Als Fördersystem für Windkraft eignet sich das seit mehreren Jahren erprobte Marktprämienmodell (variable Prämie mit monatlicher Anpassung des durchschnittlichen Marktwertes und der Prämie).
  •  Eine Festlegung der Marktprämie für Windenergie an Land mittels Ausschreibungen hat sich international bisher nicht bewährt, ist für die österreichischen Verhältnisse nicht geeignet und ist unter Berufung auf die Ausnahmegründe von Rn. 126 der EU-Leitlinien abzulehnen. Angesichts des raschen Handlungsbedarfs und der hohen Ausbauziele darf das Fördersystem nicht zum Versuchslabor werden.
  • Die Förderhöhe sollte administrativ für 20 Jahre festgelegt werden.
  • Für eine effiziente Fördergeldvergabe sollte ein standortdifferenziertes Modell (ähnlich wie in Deutschland) zur Anwendung kommen. Für die Netzintegration und die Akzeptanz der Bevölkerung ist eine größere Verteilung des Windkraftausbaus sinnvoll und volkswirtschaftlich günstiger.
  • Da die Windkraftbetreiber in Zukunft verpflichtet sind, den Windstrom selbst zu vermarkten, sollte zur Markteinführung eine Managementprämie vorgesehen werden. Voraussetzung hierfür ist allerdings ein verbessertes Marktumfeld an den Stromabsatzmärkten (u.a. gesicherter liquider Viertelstundenhandel).
  • Rechtsicherheit für die bei der OeMAG gereihten Förderanträge.
  • Wahlrecht für bestehende Anlagen in das neue Marktprämiensystem.
  • Abwicklung/Auszahlung der Marktprämie über die OeMAG: Wie bei der Tarifförderung zahlt die OeMAG die Marktprämie aus, daneben eigene Vermarktung der Energie durch die Betreiber und ihre Partner.
Weitere Details finden Sie hier.

Marktprämien-Modell für die Ökostromförderung

Die Umstellung von den Einspeisetarifen auf ein System der Marktprämien ist ein bedeutender Schritt. Das Marktprämienmodell stellt ein Fördermodell dar, mit dem marktdienliches Verhalten für die Direktvermarktung der Energie durch die Erzeuger angereizt werden kann.

Die Ausgestaltung des Systems im Detail ist von besonderer Bedeutung. Die IG Windkraft hat auf Grundlage von zwei Studien der Österreichischen Energieagentur und des Beratungsunternehmens Inercomp Eckpunkte für ein tragfähiges Modell für Österreich entworfen.

Die wichtigsten Elemente davon sind:

  • gleitende Marktprämien und Direktvermarktung der Energie
  • Technologiespezifische Berechnung des Marktwertes zur Anpassung der gleitenden Marktprämie
  • Anbindung an die tatsächlichen Marktplätze bei der Berechnung des Marktwertes (Spotmarkt und Intraday)
  • Monatliche Berechnung und Auszahlung der Marktprämie
  • Managementprämie für den Aufbau der Direktvermarktung für ein faires „level playing field“
  • Berücksichtigung des Spotpreises und des Intradaypreises als Kriterium, um bei negativen Preisen die Förderung nicht zu gewähren.
Die Ausgestaltung der Marktprämien für die österreichische Situation ist von hoher Bedeutung. Dies kann entscheidend dazu beitragen, ob der gewünschte Ausbau- und Investitionsimpuls für Erneuerbare Energien auch erfolgt. Sie wird darüber bestimmen, ob das Risiko für Investoren gering gehalten werden kann und damit die Finanzierungskosten niedrig gehalten werden können. Auch ob damit ein faires „level playing field“ für den zukünftigen Strommarkt geschaffen wird. Mehr Informationen finden Sie im IG Windkraft Papier zu Marktprämien für Österreich und im Foliensatz der Österreichischen Energieagentur „Referenzmarktwert im neuen österreichischen Strommarkt - Mögliche Berechnungsfaktoren in einem Marktprämiensystem“ vom 10. Mai 2019 und den Foliensatz von Inercomp „Marktprämienmodell für Windkraft in Österreich, Berechnungsfaktoren für die Ausgestaltung eines Marktprämienmodells“ vom 11. April 2019.

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